4. Liliencron-Nachwuchspreis für Lyrik 2027

Info Info

Das wichtigste in Kürze

Vergabe an: Lyrikerinnen und Lyriker (18-36 Jahre)
Bewerbungsfrist: 15.09.2026
Verleihung: 25.01.2027 im Literaturhaus Schleswig-Holstein
Zuwendung: 1000 Euro (einmalig) + Lesung
Zuwendungsgeber: Institut für NDL-Medien der CAU Kiel

Beschreibung


Das Literaturhaus Schleswig-Holstein e.V. und das Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel vergeben zum vierten Mal den Liliencron-Nachwuchspreis für Lyrik aus Schleswig-Holstein. Der mit 1000 Euro dotierte Preis ist ein Teilprojekt der renommierten Liliencron-Dozentur und wird von Studierenden des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel im Rahmen eines Projektseminars auf der Grundlage einer Vorauswahl vergeben. Das Projekt hat zwei zentrale Ziele: Der Wettbewerb möchte Lyriker*innen aus Schleswig-Holstein fördern und einem breiten Publikum präsentieren. Darüber hinaus wird den Studierenden des Projektseminars die Möglichkeit gegeben, erste Kompetenzen in den Bereichen Literaturkritik und Literaturvermittlung zu erwerben. Der Preis wird im Rahmen der Liliencron-Dozentur für Lyrik 2027 verliehen.

Voraussetzungen

An dem Wettbewerb teilnehmen können Bewerber*innen im Alter von 18 bis 36 Jahren, die nicht mehr als zwei Bücher im Bereich Lyrik publiziert haben und deren Biographie einen Bezug zu Schleswig-Holstein aufweist. Es gibt keine thematische Vorgabe.

Bewerbung

Zum Wettbewerb eingereicht werden sollen genau drei noch nicht veröffentlichte Gedichte in deutscher Sprache. Es gibt keine thematischen Vorgaben. Pro Person ist nur eine Einreichung zum Liliencron-Nachwuchspreis möglich. Der Umfang eines Gedichts sollte die Länge von einer Normseite nicht überschreiten.
Die Bewerbung ist als zusammenhängendes PDF im DIN A 4-Format, Schriftgröße 12 einzureichen. Die Seiten mit den Gedichten dürfen weder den Namen des*der Bewerber*in noch Kennwörter oder Ähnliches enthalten.

Aufbau der Bewerbung

Bitte bauen Sie die Bewerbung wie folgt auf:

Erste Seite
Name und aktuelle Adresse des*der Bewerber*in
E-Mail-Adresse des*der Bewerber*in
Geburtsdatum des*der Bewerber*in
ggf. Buchpublikationen des*der Bewerber*in

Zweite Seite
Kurzer biographischer Text, aus dem ein biographischer Bezug zu Schleswig-Holstein ersichtlich wird.

Dritte Seite
Unterschriebene Erklärung, mit folgendem Text:

Ich bestätige, dass die eingereichten Texte bisher nicht publiziert oder bei anderen Wettbewerben eingereicht wurden. In dem Fall, dass ich den Liliencron-Nachwuchspreis gewinne, erkläre ich mich mit folgenden Punkten einverstanden:
Ich bin bereit, an den Veranstaltungen der Liliencron-Dozentur 2027 (25. und 26. Januar 2027) teilzunehmen und den Preis im Rahmen der Dozentur verliehen zu bekommen und die Texte im Rahmen einer Lesung zu präsentieren. Zudem bin ich einverstanden, dass die Gedichte ggf. auch auf der Homepage des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel und des Literaturhauses SH publiziert werden und ggf. auch in weiteren Publikationsmedien (Literaturzeitschrift/ Postkarten zur Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Preisverleihung, literaturwissenschaftliche Fachpublikation). Die Urheberrechte verbleiben bei dem*der Verfasser*in.

Vierte bis sechste Seite
Jede Seite enthält je ein Gedicht. Der Umfang eines Gedichts sollte die Länge einer Normseite nicht überschreiten. Der Name des*der Bewerber*in darf auf den Manuskriptseiten nicht erscheinen.

Texte, die den Formalia nicht entsprechen, werden von der Ausschreibung ausgeschlossen.

Einreichung

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per E-Mail an liliencron@ndl-medien.uni-kiel.de unter dem Betreff „Liliencron-Nachwuchspreis 2027“. Einsendeschluss ist der 15. September 2026. Alle Teilnehmenden erhalten eine Empfangsbestätigung per E-Mail. Über das Ergebnis kann nur der*die Preisträger*in informiert werden. Die Benachrichtigung erfolgt Ende Dezember 2026.

Eine Rücksendung der eingereichten Unterlagen erfolgt nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren findet im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel statt. Der Preis wird von einer studentischen Jury auf der Grundlage einer Vorauswahl vergeben. Die Vorauswahl wird von einer Jury aus Lehrenden des Instituts getroffen. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass das Projektseminar nicht durchführbar sein sollte, wird der Preis von einer Fachjury vergeben.

Die Verleihung

Die Verleihung des Nachwuchspreises findet am 25. Januar 2027 im Literaturhaus Schleswig-Holstein statt; außerdem ist am 26. Januar 2027 ein Gespräch über Lyrik zwischen Liliencron-Dozent*in, Preisträger*in und Studierenden geplant. Geplant ist zudem eine Publikation der preisgekrönten Texte. Mit der Teilnahme verpflichten sich die Einsender*innen, dem Literaturhaus Schleswig-Holstein e.V. ihren Textbeitrag für eine eventuelle honorarfreie Veröffentlichung zu überlassen. Die Rechte verbleiben in jedem Fall bei den Autor*innen. Im Falle einer Veröffentlichung durch das Literaturhaus erhalten Sie ein kostenloses Belegexemplar. Reise- und Übernachtungskosten können nicht übernommen werden.

Kontakt

Dr. phil. Simon Hansen

shansen@ndl-medien.uni-kiel.de

bisherige Preisträger*innen des Nachwuchspreises

Loreley Löffler wurde 2007 in Goslar geboren und lebt seitdem in Elmshorn. Nach ihrem Abitur möchte sie Philosophie und Germanistik studieren. Mit dem Schreiben begann sie früh und gewann mit ihren Kurzgeschichten bereits 2023 und 2025 den Jungen Literaturpreis Schleswig-Holstein.

Lorely Löffler schreibt mit großer Sensibilität für Doppeldeutigkeiten und Klangqualitäten Texte, die auch nach mehrfacher Lektüre immer wieder neue Facetten offenbaren. Sie arbeitet in ihren Gedichten mit Humor und einprägsamen Bildern, während sie thematisch die Spannungsfelder zwischen Verfall, obsessiver Bewahrung und Schicksalsergebenheit erkundet.

Jurybegründung

Dara Brexendorf schreibt Gedichte mit Ortsbezug zu Kiel, die kleine Geschichten erzählen. Um verschiedene markante Plätze der Stadt wie das blaue Hochhaus oder die Schlummernde im Schrevenpark entwickelt sie die Themen ihrer Texte. Brexendorf nutzt dabei intertextuelle Verweise – etwa auf den Mythos der „Lady Godiva“ in ihrem gleichnamigen Gedicht – oder spielt mit Sprache und Konzepten, die an die Epoche der Romantik erinnern.

In Brexendorfs Texten kommt der graphischen Ebene eine wichtige Rolle zu, die einzelnen Strophen ihrer Texte werden geradezu ping-pong-artig über die Seiten verteilt. Onomatopoetische Mittel, hier vor allem in „Die Schlummerende“, lenken die Aufmerksamkeit wiederum auf die klangliche Ebene der Gedichte.

Dara Brexendorf baut in ihren Texten Brücken zwischen Vergangenem, Gegenwart und Zukunft und erreicht damit die Öffnung aktueller Diskurse innerhalb schon fast melancholisch scheinender Szenerien. Das von Abrissplänen bedrohte blaue Hochhaus, das wie ein Chamäleon die Farben ändert und in den Augen der mit „sie“ bezeichneten Person im Gedicht die Stadt hütet, wirft Fragen auf zum anthropozänen Umgang mit Denkmälern, Architektur und Artefakten.

Das Gedicht „Die Schlummernde“ stellt der Schnelllebigkeit des modernen Alltags das Bild der beständig schlummernden Statue im Schrevenpark gegenüber und reflektiert dabei klischeehafte Rollenbilder. „Lady Godiva“ verknüpft den Umgang mit Erinnerungen eines lyrischen Ichs anhand eines porzellanenen Abbilds jener Mythosfigur mit Themen wie Emanzipation, aber auch Altersarmut. Die detailgenaue bildhafte Sprache der Gedichte ermöglicht es den Rezipient*innen, sich in die Szenerien hineinzuversetzen, und eröffnet zugleich lebendige und tiefgreifende Imaginationsräume, die beeindrucken.

Über die Preisträgerin

Franziska Ostermann, geboren 1992 in Kiel, ist eine mehrmedial arbeitende Künstlerin. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Medien digitales Bild, Fotografie, Wort, Video und Performance. 2018 schloss sie ihr Studium an der Muthesius Kunsthochschule in den Fachbereichen Fotografie und Sprache & Gestalt ab.
2018 erschien ihr Lyrikdebüt »OSZIT«. Ihre Texte wurden unter anderem in den Signaturen und im Mosaik veröffentlicht.

Für ihre Arbeit erhielt sie Stipendien der Stiftung Kunstfonds oder der VG Bild-Kunst sowie mehrere Auszeichnungen, etwa vom British Journal of Photography und dem BBK Schleswig-Holstein. 2022 wurde sie mit einem Preis des Stuttgarter Filmwinters ausgezeichnet. Ihre multimediale Arbeit wird international gezeigt, unter anderem in der Agora Gallery in New York, dem Goethe Institut in Paraguay sowie im Czong Institut for Contemporary Art in Korea.

2023 erhielt sie das Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats für junge deutschsprachige Autor*innen am Literarischen Colloquium Berlin. Im gleichen Jahr zeigte das NRW-Forum Düsseldorf ihre Ausstellung »interverse: a virtual garden of words and form« im wwwforum.
Franziska Ostermann lebt in Kiel und arbeitet aktuell an ihrem zweiten Gedichtband.

Jurybegründung

Franziska Ostermann spürt der Fragilität des Menschen in einer sprachlich hochkomplexen und zugleich tief berührenden Art nach. Das eigentlich Unsagbare erhält in ihrer Lyrik Worte. In ih-rem 2018 erschienenen Gedichtband »OSZIT« gelingt es der jungen Autorin mit ihren Texten Abstraktion und konkret greifbare Situationen miteinander zu kombinieren.

Das Einbeziehen einer visuellen Ebene sowie wiederkehrende Stilelemente tragen dazu bei, dass ihre einzelnen Gedichte eine lyrische Symbiose eingehen. Durch Originalität, sprachliche Raffinesse und vielschichtige inhaltliche Tiefe gelingt es der Autorin, Räume des Trostes und Reflektierens zugleich zu öffnen. Stilsicher und empfindsam integriert sie Vergangenheit und Gegenwart in einer sprachlich verdichteten Weise. Sich kunstvoll überlagernde semantische Ebenen machen den Leseprozess durch die detaillierte Zeichnung unterschiedlicher Oberflä-chen und Klänge zu einem nahezu synästhetischen Erlebnis.

Dabei finden die Themen Zeit, Vergänglichkeit, Kindheit und Tod, aber auch metasprachliches Reflektieren über gegenwärtige (Nicht-)Kommunikation ihren Platz. »Ich möchte eine Erinne-rung sein, die immer fort neugeboren wird« – eine Erinnerung, die sich den Lesenden einpflanzt, in ihnen weiterlebt und neu geboren wird, sind die Gedichte Franziska Ostermanns, der ersten Preisträgerin des Liliencron-Nachwuchspreises.

Studentische Jurymitglieder: Jakob Cieslinski, Nicholas Hänsel, Lea Martens, Tom Matte, Sina Pedersen, Annika Petersen, Finja Schmidt